Der Sanierwichtel - Die erste Baustelle
Wir haben einen Sanierwichtel auf unserer Baustelle. Niemand hat ihn gesehen, aber seine Spuren sind unverkennbar.
Der Begriff „Altbau“ ist so simpel wie „Auto“ - jede:r hat ein anderes Bild im Kopf.
Beim Scrollen durch Facebook-Gruppen und Instagram-Kanäle sieht man die ganze Vielfalt der Sanierungsfreudigen. Der eine postet seinen Bungalow aus den 80er Jahren, die andere präsentiert das Reiheneckhaus aus den 60ern. Wieder andere feiern den Erwerb der sanierungsbedürftigen Altbauwohnung im Wiener Zinshaus. Unsere „Sahnestückchen“ sind regionaltypische Gebäude, und wir lieben viele Jahrhunderte alte Gebäude, die Fragen aufwerfen.
So. Und nun haben wir den „Salat“. Ein Begriff für so viel Diversität!

Die Spannbreite reicht von Natursteinmauern über Holzstrickbauweise bis zu Betonskeletten der Nachkriegszeit. Manche Gebäude sind denkmalgeschützt, andere „nur“ alt. Manche wurden über Jahrzehnte gepflegt, andere stehen seit Jahren leer. Gebäude unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht.
Bausubstanz
Je nach Material reagieren Bauteile anders auf Lasten, auf Temperaturänderungen, auf Feuchtigkeit. Welche Baumaterialien dürfen zusammengefügt werden, welche nicht?
Dämmung
Es gibt luftdichte Systeme und diffussionsoffene Systeme. Wann wird was benötigt und kann ich sie vermischen?
Nutzung
Alte Grundrisse scheinen nicht in heutige Lebensrealitäten zu passen. Dabei bergen bestehende Strukturen viel Potenzial für neue Wohn- und Arbeitsformen. Abreißen, umsetzen, verlegen: Ist das gut für Haus und Geldbörsel?
Recht & Wirtschaft
Eigentumsfragen, Mietrecht, steuerliche Anreize und Förderungen unterscheiden sich. Woher kommt guter Rat?

Niemand kommt auf die Idee, einen VW ID3 mit den gleichen Methoden zu reparieren wie einen VW Käfer. Beim „Altbau“ verhalten wir uns aber oft genau so.
Schon der Begriff „Sanieren“ wurde früher ganz anders verstanden. Heute verbinden wir den Begriff mit Dämmung und Heizkosten. Falsche Eingriffe kosten jedoch mittelfristig viel Geld. Manche nutzen einfach nichts, manche schaden aber auch richtig. Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte. Wer sie versteht, kann Substanz bewahren, klug investieren und langfristig Wert schaffen.
Jede Frage rund um den Altbau muss mit der Frage an den individuellen Altbau beginnen. Was macht dieses konkrete Gebäude aus? Wann wurde es gebaut, wann verändert? Welche baulichen Strukturen sind original, welche zugefügt, welche entfernt? Mit welchen Materialien wurde gearbeitet? Mit welchen Verfahren? In welcher Abfolge?
Es gibt eine Menge einschlägiger Social-Media-Foren und sogenannte Expert:innen, auf denen sich viele mit Nichtwissen, Basiswissen oder halbgarem Wissen über Methoden und Kosten austauschen. Dem ist nicht zu trauen. Vor allem dann nicht, wenn die oben genannten Fragen nicht beantwortet sind, bevor ein Rat erteilt wird.