Entlang der niederösterreichischen Eisenstraße, eingebettet in die Landschaft der sogenannten Eisenwurzen, liegt unser Objekt, der ehemalige Weghammer* von Kienberg bei Gaming. Im Zusammenspiel mit Wasser als Antriebskraft, Holz zur Kohlegewinnung und Erz, gewonnen aus dem steirischen Erzberg, wurde die Region führend in der Produktion von Metallwaren. Industrie und dazugehörige Bauten prägen bis heute das Bild der Eisenstraße. Der ehemalige Weghammer in Kienberg ist einer der wenigen dieser noch erhaltenen industriellen Erben.
Vermutlich als Hammerschmiede errichtet, wurde der Weghammer zunächst durch Andreas Töpper 1832 als Gasröhrenfabrik zu seiner heutigen Form erweitert. Durch industrielle Entwicklungen sowie veränderte Nachfragen und Besitzstrukturen entwickelten sich unterschiedliche Nutzungsschwerpunkte.
Das Industriegebäude war Walzwerk, Gasröhrenfabrik und Tempergießerei. Die Töppersche Gasröhrenfabrik wurde in die benachbarte „Josef Heiser, vormals J. Winter’s Sohn Achs- und Eisenwarenfabrik“ integriert. Es wurden Wagenachsen für Kutschen und schließlich Einzelteile für Stahlflaschen hergestellt. Später wurde das Heiser-Werk, zuletzt in Besitz der Familie Reitlinger, von der Firma Worthington Industries übernommen, die bis heute am Standort Kienberg Stahlflaschen produziert.
Historische Gebäude, wie das Hammerherrenhaus, ehemalige Arbeiterwohnhäuser und der ehemalige Weghammer sowie die Stauteiche entlang der Liegenschaften, durch deren Wasserkraft unter anderem der Hammer der Gießerei angetrieben wurde, blieben in Besitz der Familie Reitlinger, heute Outhwaite. Die Eigentümerin hat zuletzt begonnen, den historischen Objekten wieder Leben einzuhauchen. Im Fokus stand zuletzt das Ensemble rund um das Herrenhaus östlich des ehemaligen Weghammers.
Das Industriedenkmal ist seit dem Stilllegen der Gießerei dem Verfall preisgegeben. Ebenso ergeht es dem ehemaligen Arbeiterwohnhaus unweit des Fabriksgebäudes, das als Hammerherrenhaus errichtet und zuletzt als Kindergarten genutzt wurde. Ein weiteres Arbeiterwohnhaus wurde in den letzten Jahren bereits aufgrund seines fortgeschrittenen Verfalls abgerissen.
Nun soll die Geschichte des Ensembles, bestehend aus ehemaligem Weghammer und ehemaligem Arbeiterwohnhaus weitergeschrieben werden.
Zunächst wird der Bestand erfasst und denkmalpflegerisch analysiert. Wir setzen uns mit der Region, dem Bestand und seiner Geschichte auseinander. In Zusammenarbeit mit BWM-Architekten und der PKF hospitality group entwickeln wir, aufbauend auf die Bestandserfassung, ein nachhaltiges Nutzungskonzept für das Ensemble. Im Zuge der weiterführenden Untersuchungen wird eine mögliche Kontamination durch die ehemalige industrielle Nutzung überprüft, ebenso stehen Fragen zur Medien- und Energieversorgung im Vordergrund.
Wie kann Wasserkraft als Energiequelle heute eingesetzt werden? Welche Möglichkeiten der Energieversorgung sind für das Ensemble und eine zukünftige Nutzung möglich?
Wir freuen uns über die Zusammenarbeit und ganz besonders auf die herausfordernden Restaurierungsaufgaben.
*WEGHAMMER: Hammerwerke, kurz Hammer: Betriebe zur Erzeugung von Eisenzeug mittels Wasserkraft. Durch eine historische Ortsbezeichnung „Am Weeg“ entwickelte sich zunächst der Hammer am Weg und schließlich die Bezeichnung Weghammer für das Fabriksgebäude.
Quelle: Teresa Brunbauer, Der ehemalige Weghammer in Kienberg bei Gaming, Dipl. Arbeit, TU Wien, 2020.
Theresa Müller, ist selbst gerne zu Fuß unterwegs, um Neues zu entdecken. Sie begeistert sich für klare Formensprachen und haptische Materialien. Mit Architektur möchte sie historische Bausubstanz verstehen, wieder nutzbar machen und Geschichte weitererzählen.
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